·
GitOpsArgoCDFluxKubernetes

ArgoCD vs Flux: Welches GitOps-Tool passt zu Ihrem Team?

Ein praxisorientierter Vergleich der beiden führenden GitOps-Tools für Kubernetes. Wann lohnt sich welches Tool?

GitOps hat sich als Standard für das Deployment auf Kubernetes etabliert. Die Idee ist einfach: Git ist die Single Source of Truth, und ein Controller im Cluster sorgt dafür, dass der tatsächliche Zustand dem gewünschten Zustand im Repository entspricht.

Die zwei dominierenden Tools in diesem Bereich sind ArgoCD und Flux. Beide sind CNCF-Projekte, beide funktionieren gut – aber sie unterscheiden sich in ihrer Philosophie und ihren Stärken. In diesem Artikel vergleiche ich beide aus der Praxis heraus.

Die Kurzfassung

AspektArgoCDFlux
UIUmfangreiche Web-UIKein UI (CLI + Extensions)
ArchitekturMonolithischModular (Toolkit)
LernkurveFlacher EinstiegSteiler, aber flexibler
Multi-TenancyProjects & RBACNamespaced Controllers
Helm-SupportGut, mit EinschränkungenNativ, sehr gut
KustomizeGutSehr gut

ArgoCD: Der visuelle Ansatz

ArgoCD bringt eine Web-Oberfläche mit, die den aktuellen Zustand aller Anwendungen visualisiert. Man sieht sofort, welche Apps synchron sind, welche Ressourcen deployed wurden und wo es Abweichungen gibt.

Stärken von ArgoCD

Übersichtlichkeit: Die UI ist ein echtes Plus, besonders für Teams, die GitOps neu einführen. Man kann Deployments verfolgen, Logs einsehen und manuell synchronisieren – alles an einem Ort.

ApplicationSets: Mit ApplicationSets lassen sich viele ähnliche Anwendungen aus einem Template generieren. Praktisch für Microservice-Architekturen oder Multi-Cluster-Setups.

SSO-Integration: ArgoCD bringt eine vollständige Authentifizierung mit OIDC, LDAP und anderen Providern mit. Für Unternehmen mit bestehender Identity-Infrastruktur ein Vorteil.

Wo ArgoCD an Grenzen stößt

Helm-Secrets: ArgoCD rendert Helm-Charts serverseitig. Das macht die Integration von Tools wie helm-secrets oder SOPS komplizierter als bei Flux.

Resource Hooks: Die Sync-Hooks von ArgoCD sind mächtig, aber auch komplex. Für einfache Deployments oft überdimensioniert.

Monolithische Architektur: ArgoCD ist ein einzelnes, umfangreiches System. Updates betreffen immer die gesamte Installation.

Flux: Der modulare Ansatz

Flux verfolgt eine andere Philosophie: Es ist ein Toolkit aus mehreren unabhängigen Controllern. Source Controller, Kustomize Controller, Helm Controller – jeder macht eine Sache und macht sie gut.

Stärken von Flux

Native Helm-Integration: Flux behandelt Helm-Releases als First-Class Citizens. SOPS-verschlüsselte Values, Helm-Tests, komplexe Dependency-Chains – alles funktioniert out of the box.

Kustomize-Integration: Flux nutzt Kustomize nativ und unterstützt alle Features, einschließlich Post-Rendering von Helm-Charts mit Kustomize-Overlays.

Image Automation: Flux kann automatisch neue Container-Images erkennen und die Manifeste im Git-Repository aktualisieren. Praktisch für automatisierte Updates in Entwicklungsumgebungen.

Leichtgewichtig: Man installiert nur, was man braucht. Kein Helm? Dann kein Helm Controller.

Wo Flux an Grenzen stößt

Keine UI: Flux hat keine eigene Web-Oberfläche. Es gibt Third-Party-Tools wie Weave GitOps, aber die Erfahrung ist nicht so integriert wie bei ArgoCD.

Steilere Lernkurve: Die modulare Architektur bedeutet mehr Konzepte, die man verstehen muss. GitRepository, Kustomization, HelmRelease, HelmRepository – das dauert.

Debugging: Ohne UI ist das Troubleshooting CLI-lastiger. flux logs, flux get und kubectl sind die Werkzeuge.

Wann welches Tool?

ArgoCD passt gut, wenn…

  • Ihr Team eine visuelle Übersicht über Deployments schätzt
  • Mehrere Teams mit unterschiedlichen Berechtigungen arbeiten (Projects/RBAC)
  • Ihr SSO/OIDC bereits im Einsatz habt und das integrieren wollt
  • ApplicationSets für Multi-Cluster oder Multi-Tenant-Setups relevant sind

Flux passt gut, wenn…

  • Ihr primär mit Helm arbeitet und verschlüsselte Secrets braucht
  • Ihr eine schlanke, modulare Lösung bevorzugt
  • Image Automation für automatische Updates interessant ist
  • Ihr bereits mit Kustomize arbeitet und das maximale Feature-Set wollt

Meine Empfehlung aus der Praxis

Beide Tools funktionieren. Die Wahl hängt weniger von technischen Limits ab als von Teamkultur und bestehendem Setup.

Für Einsteiger in GitOps empfehle ich oft ArgoCD. Die UI senkt die Einstiegshürde, und das Team sieht sofort, was passiert. Das schafft Vertrauen in den neuen Workflow.

Für erfahrene Teams, die Helm intensiv nutzen oder maximale Flexibilität brauchen, ist Flux oft die bessere Wahl. Die initiale Komplexität zahlt sich durch Flexibilität aus.

Wichtig: Beide Tools lassen sich auch kombinieren. In einigen Projekten habe ich ArgoCD für Application Deployments und Flux für Cluster-weite Infrastruktur (Operators, CRDs) eingesetzt. Das ist kein Anti-Pattern, solange die Zuständigkeiten klar sind.

Fazit

Es gibt kein objektiv besseres Tool. ArgoCD und Flux lösen das gleiche Problem auf unterschiedliche Weise. Der beste Rat: Probiert beide in einer Testumgebung aus. Deployed ein paar Anwendungen, simuliert Rollbacks, schaut euch das Day-2-Operations an.

Die meisten Teams haben innerhalb von ein bis zwei Tagen ein gutes Gefühl dafür, welches Tool besser zu ihrer Arbeitsweise passt.


Sie planen die Einführung von GitOps in Ihrem Team? In meinen Schulungen behandle ich beide Tools praxisnah – mit Labs, in denen Sie selbst deployen, synchronisieren und Probleme beheben.

Björn Ohlrich

Björn Ohlrich

Cloud & Kubernetes Consultant

Fragen zu GitOps oder Kubernetes?

Lassen Sie uns besprechen, wie ich Sie bei Ihrer Cloud-Native-Journey unterstützen kann.